Somascan – eine Reise durch den Körper

Am Anfang und auch am Ende jeder Übungsstunde mit den somatischen Übungen steht der Somascan – eine Reise durch den Körper. Das ist eine kurze Bestandsaufnahme des eigenen Körpers. Ganz bewusst nehmen wir wahr, wie sich unser Körper im Verhältnis zum Boden (wenn wir auf dem Boden liegen) und wie sich die Körperteile zueinander befinden. Wir wandern gedanklich durch unseren Körper.

Durch diese bewusste Wahrnehmung unseres Körpers können wir den Zustand vor den Übungen und nach diesen registrieren. So bekommen wir sofort ein eindeutiges Bild über die Veränderungen in unserem Körper und können entscheiden, was uns die Übungen gebracht haben.

Sensomotorische Amnesie

Der amerikanische Stressforscher und Körpertherapeut Thomas Hanna prägte den Begriff „sensomotorische Amnesie“ als zentralen Bestandteil seiner Lehre.

Da unser Gehirn ein Anpassungsorgan ist, lernt es durch Wiederholungen und vor allem durch das, wofür wir uns begeistern können.

Bewegungen, die wir gerne und genussvoll machen und die abwechslungsreich ablaufen, sind besonders interessant für unser Gehirn.

Umgekehrt allerdings werden monoton ablaufende Bewegungen oder statische Körperpositionen, die über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, uninteressant für unser Gehirn. Sie werden mitsamt den chronisch angespannten Muskeln im Unterbewusstsein als Programme abgespeichert. Sie entziehen sich fortan unserer bewussten Kontrolle und unser Gehirn verlernt sie wieder willentlich zu lösen. Harte und chronisch angespannte Muskeln können wie ein Motor, den man nicht mehr abstellen kann, weiterexistieren und uns sehr viel Energie kosten.

Wie können wir diesem Zuviel an Muskelanspannung nun wirksam begegnen?

Mit den somatischen Übungen haben wir ein ganz wertvolles Werkzeug an der Hand, wie wir durch achtsames Bewegen wieder Kontrolle über unser Muskelsystem bekommen. Wir bringen unserem Gehirn auf sanfte Weise neue Bewegungsprogramme bei, die es abspeichert.

Unser Gehirn hört nie auf zu lernen!

Mit dem Somascan können wir uns anfänglich die Körperareale bewusst machen, die in unserem Gehirn quasi in Vergessenheit geraten sind. Bei der Reise durch unseren Körper werden wir Stellen entdecken, die wir gut spüren können, Bereiche, die wir nur vage oder wie im Nebel wahrnehmen können und wieder andere, die wir gar nicht spüren können.

Diese Erkenntnis ist der Anfang von diesem einzigartigen Lernprozess.

Dabei ist es wichtig, beim Somascan die Situation wertfrei zu beobachten.

Wir nehmen wahr, was wir spüren können und was nicht. Wo der Abstand größer zum Boden ist und wo wir Kontakt zum Boden haben. Welche Muskeln sich angespannt anfühlen und welche entspannt. Wir vergleichen die rechte und die linke Körperhälften miteinander.

All diese Informationen lassen wir bei uns ankommen ohne sie zu beurteilen. Es gibt kein gut oder schlecht. Es gibt nur den jetzigen Zustand – und der darf sein, so wie er ist.

Nachdem wir die somatischen Übungen praktiziert haben, kann sich der Somascan – die Reise durch unseren Körper schon gänzlich anders anfühlen. Vielleicht nehmen wir mehr wahr, uns kommen Körperareale ins Bewusstsein, die vorher im Nebel lagen oder wir merken eine breitere Auflagefläche auf dem Boden.

Der Somascan als Entspannungstool

Der Somascan ist zwar eine Reise durch unseren physischen Körper, aber er verbindet uns auch immer mit unserem Geist und unserer Seele. Wir kommen ganz bei uns selbst an. Gedanken treten in den Hintergrund und wir sind sehr präsent im jetzigen Augenblick.

Diese Präsenz im gegenwärtigen Augenblick ist meiner Meinung nach ein so wichtiges Tool in der heutigen schnelllebigen Zeit. Es erdet uns, verbindet uns mit unseren Wurzeln und wir gehen gestärkt daraus hervor in unseren Alltag.

Drum ist der Somascan auch gut als Verschnaufpause im Alltag geeignet.

Du kannst den Körperscan in Arbeitspausen z.B. einbauen, um die angestaute Energie aus den besonders beanspruchten Bereichen wieder in den ganzen Körper fließen zu lassen. Oder du gönnst dir vor dem Zubettgehen einige Minuten achtsames Hinspüren für einen erholsamen Schlaf.

Je entspannter wir in die Nacht starten, desto weniger Stress muss unser Organismus in der Nacht abbauen und desto erholter und fitter wachen wir morgens wieder auf.

Vorbereitungen für den Somascan

Suche Dir einen Ort, an dem Du für etwa 15 Minuten ungestört sein kannst. Dämpfe gegebenenfalls das Licht.

Lege Dich in Rückenlage auf eine bequeme Unterlage, z.B. eine Matte. Die Ausführung im Bett ist auch möglich.

Die Beine sind ausgestreckt, hüftbreit voneinander entfernt und fallen entspannt nach außen. Die Arme liegen entspannt neben dem Körper. Am besten lassen sich kleine Veränderungen spüren, wenn Du flach liegen kannst. Sollte Dir das jedoch Schmerzen oder ein unangenehmes Gefühl bereiten, unterstütze bitte Deinen Nacken und/oder Deine Kniekehlen mit einem kleinen Kissen. Trage bequeme und warme Kleidung.

Der Somascan – eine Reise durch den Körper

hier die Anleitung:

https://www.youtube-nocookie.com/embed/C0uCnyb0OQE

somascan - eine Reise durch den Körper

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