Die Somatischen Übungen nach Thomas Hanna

Die somatischen Übungen nach Thomas Hanna begegneten mir vor über 20 Jahren zum ersten Mal in einer Fachfortbildung. Seither möchte ich sie nicht mehr missen. Sie sind zu einem wesentlichen Bestandteil meiner Arbeit mit Einzelklienten und in der Gruppenarbeit sowie auch in meiner täglichen Übungspraxis geworden.

Die somatischen Übungen sind leicht durchführbar und schnell zu erlernen.

Thomas Hanna geht in seinem Buch „Beweglich sein – ein Leben lang“ näher auf den Mythos vom Altern ein und beleuchtet diesen von unterschiedlichen Blickwinkeln.

Wer war Thomas Hanna?

Der amerikanische Körpertherapeut, Philosoph und Stressforscher Prof. Dr. Thomas Hanna (1928-1990) war ein Schüler von Moshé Feldenkrais. Durch seine Eigenerfahrungen und die Arbeit mit Klienten entwickelte er seine eigene Methode „Somatic Education“. Dabei definierte er den Begriff „Soma“ als „der von innen erlebte Körper“ – eine wichtige Grundlage für seine neue Körpertherapiemethode. Thomas Hanna fand heraus, dass Stress zu reflexartigen Verkrampfungen führen kann. Unsere Muskeln sind dann auf Festhalten programmiert und haben das Loslassen verlernt.

Somatic Education

Wörtlich übersetzt bedeutet Somatic Education Körpererziehung. Und strenggenommen ist es auch mehr eine Lern- als eine Therapiemethode.

Bei dieser neuromuskulären Schulung geht es um die Bewusstmachung chronisch angespannter Skelettmuskulatur. Wir nehmen diese achtsam wahr und zeigen unserem Gehirn einen sanften Weg auf, diese Verspannungen Schritt für Schritt durch gezielte und langsame Bewegungen wieder zu lösen.

Dabei geht es um die Wiederherstellung der Kommunikation zwischen der Muskulatur und dem Gehirn.

Durch Stress, Traumata und Bewegungsmangel verursachte Muskelverspannungen werden bei diesem sensomotorischen Lernprozess wieder gelöst. Das langsame und bewusste Bewegen des Körpers hilft unserem Gehirn, die sensomotorische Kontrolle wiederherzustellen. In meinen Kursen erfahre ich, wie dadurch unsere Bewegungsabläufe harmonischer werden, Schmerzen nachlassen und wir uns wohler fühlen.

Bewegungsmangel als Ursache vieler Muskelverspannungen

Unser Körper ist intelligent, unglaublich anpassungsfähig und vor allem für Bewegung gemacht – wir sind Bewegungslebewesen.

Laut einer WHO-Studie leidet über ein Viertel der Weltbevölkerung heutzutage an Bewegungsmangel – mit steigender Tendenz nach oben, v. a. in Deutschland.

Durch stundenlanges Sitzen über einen langen Zeitraum – erst bei der Arbeit am PC, zuhause dann vor dem Handy oder Fernseher oder beides gleichzeitig – verkürzen sich Muskeln und es kann so u. a. zu Rücken-, Nacken- oder anderen Gelenkschmerzen kommen. Wenn die Schultern über längere Zeit hochgezogen sind oder der Rücken krumm wird, dann fühlt sich der Nacken steif an und es kommt zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen.

Dauerhaltungen vor dem PC oder Laptop führen zu Muskelverspannungen

Diese Dauerhaltungen mit ihren hervorgerufenen Muskelanspannungen werden in unserem Gehirn abgespeichert und wir gewöhnen uns an die Haltungen. Die hohe Muskelanspannung bleibt, da sie als Programm in unserem Gehirn abgespeichert wird, auch in Ruhephasen erhalten. Diese Dauerkontraktion von Muskeln ist anstrengend und kostet viel Kraft. Oft fühlen wir uns deshalb erschöpft und ausgelaugt am Abend und wachen am Morgen wie gerädert auf.

Sensomotorische Amnesie nach Thomas Hanna

Thomas Hanna fand heraus, dass chronische Verspannungen und die daraus resultierenden Fehlhaltungen uns oft gar nicht bewusst sind. Wir empfinden unsere „schiefe“ Haltung als normal. Unser Gehirn hat die Dauerhaltung als Istwert sozusagen kalibriert.

Die Gehirnzellen haben durch die andauernde Fehlhaltung tatsächlich „vergessen“, wie es sich anfühlt, bestimmte Muskeln zu bewegen und die chronische Anspannung wieder zu lösen. Thomas Hanna prägte hierfür den Begriff „Sensomotorische Amnesie“.

Bei den Somatischen Übungen machen wir unserem Gehirn zunächst die zu hohe Muskelanspannung bewusst und geben ihm somit den Impuls, die Spannung in den Muskeln wieder zu lösen und zu entspannen. Tatsächlich ist diese Erfahrung für das Gehirn wie ein einfaches „Aha-Erlebnis“. 

Oft benötigen unsere Gehirnzellen nur wenige Minuten, um aus dieser Amnesie wieder aufzuwachen.

Unser Gehirn hört zum Glück nie auf zu lernen. Alles Gelernte, was wir im Laufe der Zeit verlernt haben, können wir auch wieder erlernen.

Die somatischen Übungen nach Thomas Hanna

Thomas Hanna entwickelte ein breites Angebot an gezielten Übungen für die Neuprogrammierung chronisch angespannter Muskulatur und den dauerhaften Erhalt leistungsfähiger Muskeln.

Die somatischen Übungen nach Thomas Hanna sind langsame Bewegungsabläufe, die mit großer Bewusstheit (hauptsächlich auf der Matte) ausgeführt werden. Sie sind in jedem Alter erlernbar.

Mit den somatischen Übungen wollen wir entsprechende Regionen im Gehirn schulen. Die Bewusstheit bei den Übungen ist dabei das Wichtigste. Wir legen es geradezu darauf an, unserem Gehirn neue Erfahrungen mitzuteilen, es aus seiner Gewohnheit herauszubringen und neue Wege spielerisch zu erfahren.

Durch die Übungen lernen wir, akute oder chronische Muskelanspannungen zu lösen und ökonomischere Bewegungsprogramme zu integrieren.

somatische Übungen auf der Matte - hier steht die Freude an der Bewegung im Vordergrund

Der Genuss und die Freude an der Bewegung stehen dabei stets im Vordergrund.

Wohlbefinden ist für unser Gehirn die beste Voraussetzung zum Lernen!

Für stressgeplagte Menschen sind die somatischen Übungen nach Thomas Hanna ein angenehmer Weg zu entspannen und wieder zur Ruhe zu kommen.

Neben der Neuausrichtung unserer Muskulatur erzählen mir die Teilnehmer meiner Kurse immer wieder, dass sie sich nach der Stunde insgesamt entspannter, erholter und leistungsfähiger fühlen.

Die Übungen, die zum Erlernen meist auf dem Boden im Liegen durchgeführt werden, lassen sich später wunderbar in den Alltag integrieren. Man kann sie bei der Arbeit und im Büro einfließen lassen, wenn man eine Bewegungspause braucht. Sie können im Sitzen oder auch Stehen ausgeführt werden.

Eine einzelne Übung kann schon ausreichen, damit wir hinterher wieder fitter und konzentrierter weiterarbeiten können. Für den Sport dienen die somatischen Übungen sehr gut als Trainingsvorbereitung, um einerseits Verletzungen vorzubeugen und andererseits sein Trainingsergebnis zu steigern.

Hast du jetzt Lust und Interesse, die somatischen Übungen auch einmal kennen zu lernen?

In meinem neuen Präventionskurs

„move@ease – ganzheitliches Beweglichkeitstraining“

zeige ich dir an 10 Terminen wertvolle Übungen, mit denen du dich von Kopf bis Fuß mobilisieren und in Bewegung bleiben kannst. Auf ganz sanfte und bewusste Art und Weise – ohne jegliches Leistungsdenken.

Der Kurs ist als Präventionskurs nach § 20 SGB V von den Krankenkassen anerkannt. Deine Krankenkasse kann dir Auskunft geben, wieviel du von den Kursgebühren erstattet bekommst.

Wenn du dir lieber eine individuelle Begleitung wünschst, dann kannst du auch einen Termin zu einer 1:1 Sitzung bei mit buchen.

Hierfür gibt es natürlich auch Gutscheine, falls du einem lieben Mitmenschen eine Freude zu Weihnachten bereiten möchtest.

Bildnachweise:

Matten-Bild von Peggy und Marco Lachmann-Anke auf Pixabay

Laptop-Bild von Free-Photos auf Pixabay

Quellen:

WHO Studie: Worldwide trends in insufficient physical activity from 2001 to 2016: a pooled analysis of 358 population-based surveys with 1·9 million participants (thelancet.com)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Please reload

Bitte warten...